Kurt Buchwald
Reisefotografie
1991-2016
Atacama 1995

In der Ausstellung EL VIAJE I in der Berliner Kulturbrauerei 1996 stand vor einem fotografischen Panorama der Osterinsel die rote Stele Kiea Mano. Eine Figur des Vogelgottes bildet den Abschluss der Säule, die 2017 auch im LiTE-Haus Galerie + Projektraum zu sehen ist.

Meine Fotografie ist vergleichbar mit einem Forschungsprojekt. Es geht um Wahrnehmung. Dies begann bereits 1985 mit den Aktionen Fahren - Fotografieren - Fahren, als ich aus dem Auto fotografierte. Ich befrage die fotografische Handlung und verfolge Konzeptionen, die sich daraus ergeben. 1990 montierte ich eine schwarze Blende als Störelement vor die Kamera. Das Projekt Bilder+Blenden begann. Der Eingriff erzeugt auch ein Moment des absichtlich Unabsichtlichen. Mit der Störung kann ich die Erwartungshaltung überlisten.
Bei all meinen Reisen war auch ein Fotoverbotsschild (Aktion Fotografieren verboten 1988-2005) dabei. Auch das erzeugt eine Störung, die sich auf die Fotografische Handlung und die Sinnhaftigkeit des Bildermachens bezieht. Vor allen interessiert mich an dieser Aktion das absurde Moment. Ich mag die Komik, die sich beim Aufstellen des Schildes ergibt.

Auf Mallorca montiere ich eine rote Scheibe vor die Kamera, dem Stierkampf entlehnt. Es entstand das Bildtableau Cala San Vincente. Es ist bis zum 11.09.2017 in der Berlinischen Galerie zu sehen.
Mit dieser Arbeit begann ich mit der Farbfotografie. Zur Störung kam ein neues Element. Die großen Farbflächen erzeugen eine eigene sinnliche Realität an der Grenze zwischen Figuration und Abstraktion. Parallel benutzte ich auch eine blaue Scheibe, die durch das Umgebungslicht ihre Farbe verändert. Ich war irritiert und verwarf die Serie. Im LiTE-HAUS wird sie ausgestellt.

In der Atacama-Wüste 1995 fotografierte ich ohne Scheibe und suchte nach natürlichen Hindernissen wie z.B. einem Straßenschild. Als Mensch der Ebene sind für mich die Weite, der freie Blick von großer Wichtigkeit. So erzählen die Bilder in der Wüste auch vom Gegenstand, der in der Gegend stand, vom Weg, der sich endlos in der Ferne verliert. Auch 1999 in Bali benutzte ich ein Objekt als Störelement: eine Maske aus dem Andenken-Laden.

2002 in Italien ersetzte ich die Scheibe durch ein Rohr und entwickelte die Konzeption Im Kreis der Wahrnehmung. Parallel entstand, losgelöst von allen Dogmen, der Große Index - in viaggio, der vom Unterwegssein erzählt. Er erhielt den Kobu-Kunstpreis für Fotografie.

In Arles fotografierte ich 2013 mit gekippter Kamera (Kippbilder) an vordefinierten Punkten: senkrechte Pfähle und Häuserecken. 2016, wieder auf Mallorca, hielt ich einen Palmwedel vor die Kamera. Seit der Antike gibt es ikonografische Darstellungen mit einem Zweig. Ich kombinierte die Wedel zu neuen Strukturen, es entstanden die Bildfahnen Cala Rajada. Mit einer ähnlichen Methode hatte ich bereits 1980 experimentiert (Bild des Doms). Die Welt verschwindet in einem Muster, in einer neuen Realität. Der Widerspruch, dass mit der Abbildung einer fremden Welt zugleich auch eine Fiktion dieser Welt entsteht, löst sich auf.


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Großes Zeichen, Atacama, Chile 1995
   
Steele Kiea Mano mit dem Panorama der Osterinsel (6m Breite) 1995 / der Ausschnitt ist im LiDE-HAUS zu sehen
   
Bildtableau "Cala san Vincente" Blau, Mallorca 1991/ 2017
   
Bildtableau "Cala san Vincente", Rot, Mallorca 1991
   
Doppelbild, Im Kreis der Wahrnehmung, Olevano 2002
   
Großer Index - in viaggio, Italien/ Rom/ Olevano 2002
   
Einzelbilder aus dem Index - in viaggio, Italien/ Rom/ Olevano 2002
 
Aus dem 36-teiligen Bildtableau, Die Himmel, Bretagne 2011
 
Kippbilder, EVADE, Arles 2013
 
 
Palmenwedel, Mallorca 2016
 
Bali 1999
 
Bildfahnen Cala Rajada, Mallorca 2016